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Special: Der Wüstenplanet – Die Hörbuchreihe

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Mit einer der Gründe, warum das Lesen für mich bis heute eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen ist und ich mich intensiver mit Büchern auseinandersetze als ich das ursprünglich getan hätte, ist Frank Herberts Science Fiction Roman “Der Wüstenplanet”. Science Fiction war für ich als Jugendlicher wohl das liebste Genre, und neben Klassikern wie “1984” von George Orwell oder “Fahrenheit 451” von Ray Bradbury gab’s auch etliches Lizenzmaterial damals angesagter TV Serien auf meinem Nachttisch. Heute hab ich mit der Science Fiction nicht mehr viel am Hut. Ein Großteil davon stammt von Leuten, die hauptsächlich den Wusch haben mit Spezialeffekten von Industrial Light And Magic ihr Geschreibsel entsprechend zu verfilmen, wirklich herausragende Sci-Fi sucht man wie die Nadel im Heuhaufen. Und dazu hab ich nicht den Nerv.
Und trotz dieser subjektiven Ablehnung an das Genre ist der Wüstenplanet nach wie vor eine der Buchreihen, die ich nach wie vor jedem in die Hand drücken würde, der auf ausgefeilte Handlungen, vielschichtige Charaktere und eine bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Phantasiewelt Wert legt. Genau wie die im Buch beschriebene Gewürzdroge kann nämlich dieser Blick auf stereotypes, menschliches Verhalten und das Zusammenspiel von Politik und Religion ziemlich bewusstseinserweiternd sein. Vor allem für einen dreizehnjährigen Grünschnabel, wie ich damals einer war. Aber auch heute finde ich nach wie vor eine Menge Botschaften in Frank Herberts Texten, die mir den einen oder anderen Gedankenanstoß geben.

Lübbe Audio begann 2008 mit dem ersten, ungekürzten Hörbuch zur sechsteiligen Buchreihe. Im Halbjahresrhythmus erscheinen nun nach und nach die anderen Titel aus der Reihe. Ich habe die 24 CDs des ersten Teils unglaublich genossen und möchte meine Begeisterung über diese (Hör-)Buchreihe in einem etwas umfangreicheren Special zum Ausdruck bringen. Viel Spaß auf eurer Reise nach Arrakis!

dune1Der Wüstenplanet

Arrakis, der Wüstenplanet, ist die einzige Quelle der Gewürzdroge Melange, dem wohl wichtigsten Rohstoff im Universum. Die Atreides, eines der Adelshäuser aus dem intergalaktischen, feudalen Imperium bekommt Arrakis als Lehen, was sie zum mächtigsten, aber auch angreifbarsten Haus im Landsraad macht. Ein Geschenk, oder ein fein gesponnenes Komplott? Der Plan der Gegner scheint perfekt, doch sie haben nicht mit dem jungen Paul Atreides gerechnet, der Hilfe bei den Eingeborenen des Wüstenplaneten sucht und das Machtspiel der Adeligen umzudrehen scheint.

Schon im ersten Teil des Dune-Zyklus spinnt Frank Herbert ein unglaubliches Netzwerk an Intrigen und Handlungssträngen. Gemäß dem Prinzip, “Pläne in Plänen” zu verstecken lässt Herbert verschiedene Handlungen in einem groß angelegten Plot zusammenlaufen. Im Vergleich zu späteren Werken kann aber hier auch noch die Geschichte genug überzeugen, um den “Wüstenplanet” neben den semireligiösen und politischen Ansichten, die in ausufernden Dialogen zum Besten gegeben werden auch für die lesenswert zu machen, die mit Frank Herberts Weltanschauung nicht viel anfangen können.

Jedes Mal, wenn ich den Wüstenplanet erneut lese bzw. höre fällt mir auf, wie clever und gewitzt die Charaktere doch sind. Die Hauptcharaktere lassen sich schwer in die Irre führen, durchschauen jedes Komplott und wissen auch, wann sie mitspielen müssen um ihren Status im System weiter zu gewähren. Und nebenbei schmieden sie noch eigene Pläne. Gerade dieses Spiel der Mächte ist unglaublich spannend und für mich eines der Highlights im Roman und sorgt auch dafür, dass es keine Schwarz-Weiß-Malerei bei den Charakteren gibt. Jeder hat seine Motivation, jeder hat seine Ziele und jeder will dafür sorgen, dass er am Ende auch zu diesen gelangt. Dass man da natürlich anderen Mächten in die Quere kommt ist vorprogrammiert.

Neben der Gestaltung der Großmächte hat Herbert auch viel Zeit in die detaillierte Ausarbeitung der Fremenkultur investiert. Dieses Volk der Wüstenbewohner wird brillant geschildert, so dass man deren Bräuche und Rituale nicht nur beobachten darf, sondern sie auch zu verstehen lernt. Die Umgebung wirkt sich auf den Umgang mit seinen Mitmenschen aus, und extreme Bedingungen sorgen für extreme Maßnahmen, wie der Autor eindrucksvoll zeigt.

Das Hörbuch wurde von Simon Jäger und Jürgen Prochnow eingesprochen. Während Jäger erfahrener Synchronsprecher und Hörbuchleser ist, ist es für Prochnow eine Premiere, der wohl hauptsächlich deshalb mit von der Partie ist, weil er in der Verfilmung von 1984 die Rolle des Leto Atreides übernahm. Beide machen ihre Arbeit unglaublich gut und verleihen den beiden Perspektiven der Protagonisten und Antagonisten einen entsprechend eigenen Touch. Auch kann ich der Kritik an Marianne Rosenberg, der Leserin der Einleitungstexte, nicht zustimmen. Für die spontane Entscheidung, bei dem Projekt mitzumachen, macht sie ihre Sache hervorragend. Natürlich kann man sich daran stören, dass viele fiktive Ausdrücke im Laufe der Geschichte leicht ihre Aussprache ändern, aber auch da drücke ich angesichts des unglaublichen Umfangs ein Auge zu. Immerhin hat man auch dafür gesorgt, dass die Anhänge ihren Platz im Hörbuch finden. Sei es als Text in den schmucken Pappschachteln. oder als Bonus-CD.

Das einzige, was ich nicht ganz verstehen kann ist die Entscheidung, das Hörbuch auf zwei Teile aufzuteilen. Der Grund dürfte wohl verkaufstechnischer Natur sein, dem geneigten Käufer sei aber gesagt, dass er ohne den anderen Teil nicht viel mit dem Hörbuch anfangen kann.

Ansonsten lohnt es sich auf alle Fälle. Die Qualität der Aufnahmen und die Leistung der Sprecher ist herausragend. Die Aufmachung des Covers ist, mal abgesehen vom leichten 70er Jahre Einschlag, ebenfalls sehr gelungen, und selbst der kitschige Soundtrack geht spätestens nach der dritten CD nicht mehr aus dem Kopf.

 
Hörprobe von Lübbe Audio

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dune2Der Herr des Wüstenplaneten

Elf Jahre nach den Ereignissen in “Der Wüstenplanet” sehen wir im zweiten Band des Dune-Zyklus Paul Atreides, oder auch Muad’dib als Herrscher des galaktischen Imperiums, der mit eiserner Hand regiert und das Gewürzmonopol verwaltet. Große Macht bringt auch große Abneigung mit sich, und so ist es kein Wunder, dass die übriggebliebenen Mächte, die nun in Sachen Gewürzkonsum durch die Finger schauen, den Sturz des Kaisers planen.

Der zweite Teil wird von vielen Fans oft ziemlich geschmäht, weil er nicht nur mit dem Umfang der anderen Bücher nicht mithalten kann, sondern auch aus Paul Muad’dib, dem Helden aus dem Vorgänger, einen Tyrannen wider Willen macht. Und ich finde das schlichtweg genial. Zu keinem Zeitpunkt im Buch hatte ich das Gefühl, dass die Entwicklung von Paul unrealistisch gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Bereits im ersten Buch kündigt er an, dass er gehasst werden wird, und das zweite Buch zeigt nun einfach, wohin die Macht ihn getrieben hat. Er ist immer noch der clevere, charismatische Anführer, den wir kennengelernt haben, aber seine Machtposition wirft nun eindeutig ein anderes Licht auf ihn. Was er selbst vorausgesehen hat, ist schlussendlich eingetreten, und so erleben wir die letzten Tage des Muad’dib.

Mir ist völlig unverständlich, wie Brian Herbert und Kevin J. Anderson, die das Dune-Universum mit unzähligen Nachfolgern, Vorgängern und Zwischentiteln ausbauen, den Wandel von Paul Atreides vom strahlenden Saubermann zum überbösen Tyrann in einem eigenen Buch schildern wollen (am 4. Januar bei Heyne als “Der Wüstenplanet: Paul Atreides” erschienen), wenn zum einen kein Wandel vom Weißen ins Schwarze stattgefunden hat und zum anderen diese Entwicklung perfekt in “Der Herr des Wüstenplaneten” gezeigt wird. Genau das ist auch der Reiz der Geschichte.

Neben besseren Einblicken in die Strukturen und der Politik eines auf Religion gestützten Imperiums bekommen wir auch eine schön ausgearbeitete Intrigengeschichte vorgesetzt. Seht dieses Buch nicht als Nachfolger, sondern eher als vierten Teil des ersten Buches bzw. eine notwendige Brücke zum ebenfalls brillanten “Die Kinder des Wüstenplaneten”.

Simon Jäger und Marianne Rosenberg sprechen auch das zweite Hörbuch. Jürgen Prochnows Gastspiel endet mit dem ersten Teil, und so gut mir auch seine Darstellung gefallen hat muss ich eingestehen, dass ich ihn nicht sonderlich vermisst habe. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Hörbuch!

 
Hörprobe von Lübbe Audio

Der Herr des Wüstenplaneten, Taschenbuch bei Amazon
Dune II: Der Herr des Wüstenplaneten, Hörbuch bei Amazon

dune3Die Kinder des Wüstenplaneten

Der dritte Teil der Wüstenplanet-Saga spielt neun Jahre nach “Der Herr des Wüstenplaneten”. Der blinde Paul Muad’dib ist in die Wüste ausgezogen, sein Schicksal ist nach wie vor unbekannt. Unter der Aufsicht der imperialen Regentin Alia wachsen die Zwillinge Ghanima und Leto zu den gefährlichsten Geschöpfen des Imperiums heran. Mit großer Macht kommen auch viele Neider, und von allen Seiten, vor allem vom ehemaligen Regentenhaus Corinno müssen die Atreides mit Intrigen und Angriffen auf ihren Thron rechnen. Sogar aus den eigenen Reihen. Zu allem Überfluß kommt auch noch ein Prediger aus der Wüste, der die Ureinwohner des Wüstenplaneten in Aufruhr bringt.

Frank Herbert bleibt bei seiner bewährten Formel, versteckt Pläne in Plänen, positioniert seine Schachfiguren auf dem großen, interstellaren Spielbrett und schafft mit “Die Kinder des Wüstenplaneten” vielleicht einen der stärksten Episoden der Saga. Jede einzelne Person in der Geschichte ist unglaublich detailliert charakterisiert und kommt ohne grobe Schwarz-Weiß-Malerei aus. Die Helden der Vorgängerbände fallen, zeigen ihre dunklen Seiten, und man sympathisiert mit den Gegenspielern, die man eigentlich hassen gelernt hat. Hier stechen besonders die Corinno, vor allem Prinz Farad’n, und Lady Jessica hervor. Gerade letztere gehörte in “Der Wüstenplanet” zu meinen Lieblingscharakteren und darf sich hier mal sowohl von der durchtriebenen als auch von der fürsorglichen Seite zeigen.

Gekonnt zeigt Frank Herbert schließlich, wie man die verschiedenen Handlungsstränge am Ende gekonnt zusammenführen kann und ein großes, episches Ganzes erscheint. Auf dem Weg dorthin gibt es wieder etliche Dialoge, viel Kultur und Hintergrund zum Universum und sogar actionreiche Szenen, die der politischen Handlung etwas Pepp verleihen. Letos Odyssee in den Süden gehört hier zu den herausragenden Handlungsfäden.

Auch hat der dritte Teil etwas Abschließendes. Das Ende bleibt wie erwartet offen, man merkt aber dass nun die Geschichte um das alte Imperium und das Haus Atreides abgeschlossen ist. Allerdings setzt Frank Herbert auch den Grundstein für neue Mythen und Legenden, und bei dem Ausblick darauf, was kommen wird (den man schon ansatzweise in den fiktiven Zitaten zu Beginn jedes Kapitel bekommt — übrigens dieses Mal sehr genial und im großen Kontext bestechend, wie so ein scheinbar unzusammenhängender Ausschnitt perfekt die folgenden Szenen beschreibt) merkt man, dass die weitere Story ganz andere Formen annehmen wird.

Zum Hörbuch gibt es nicht viel Neues zu sagen: Die Aufmachung ist top, Simon Jäger als Sprecher perfekt und die Titelmelodie hat mir trotz all ihrer Fahrstuhltauglichkeit schon richtiggehend gefehlt! Einzig und allein Marianne Rosenberg ist mir in diesem Hörbuch zum ersten Mal negativ aufgefallen. Ihre Darbietung der einleitenden Zitate ist trotz der Prosa zu versartig. Jedes Komma und jeder Punkt wird betont, und stellenweise frage ich mich nach einem Satz, was um alles in der Welt ich da jetzt vermittelt bekommen hab. Doch das ist Erbsenzählerei. Fest steht, dass die Wüstenplanet-Reihe von Lübbe Audio nach wie vor eine der edelsten Hörbuchproduktionen auf dem deutschen Markt ist. Und Marianne Rosenberg kann noch bei drei weiteren Gelegenheiten überzeugen.

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Dune III: Die Kinder des Wüstenplaneten, Hörbuch bei Amazon

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Auf der offiziellen Website des Hörbuch-Projekts findet ihr nähere Informationen sowie Hörproben.