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Rezension: Georg Haderer – Schäfers Qualen

Schäfers Qualen“Mord! Mord in Tirol! Das geht doch nicht …” – Gelungenes Debut!

5starEin rätselhafter Mord in der Tourismushölle Kitzbühel bringt den erfolgreichen Polizeimajor Schäfer von der Wiener Mordkommission zurück in seine Heimatstadt. Noch nicht einmal angekommen stellt sich heraus, dass es bei einem Mord nicht bleibt und jemand alte Rechnungen zu begleichen scheint. Neben dem ewig lauernden Mörder, der Schäfer schon mal wortwörtlich die Schuhe auszieht, muss sich der Major allerdings mit noch ganz anderen Dämonen herumschlagen: Seiner eigenen Vergangenheit und vielen damit zusammenhängenden, offenen Wunden.

Wieder ein neuer, österreichischer Krimiautor, wieder die Entdeckung des Jahres, wieder ein eigenwilliger Ermittler, und wieder ein hochgelobtes Debut, das man gern mit Wolf Haas vergleicht. Wie man vielleicht ein wenig bemerkt, hat mich die Lobhudelei, die ich im Vorfeld gelesen habe, doch sehr skeptisch gestimmt. Diese Versprechen wurden schon von vielen gemacht, und die wenigsten konnten sie halten. Nach dem Lesen der Lektüre muss mich allerdings eingestehen, dass ich mich nur zu gern in die Reihen des positiven Medienechos begebe und zum Großteil allem zustimmen kann. Nur nicht einem: Ein neuer Wolf Haas ist das auf alle Fälle nicht.

Gottseidank nicht!

Wolf Haas Bücher kann nur Wolf Haas schreiben. Georg Haderer macht sein eigenes Ding, und erschafft mit Major Schäfer einen sehr schrägen, aber unglaublich sympathischen Protagonisten. Es ist ziemlich spannend zu sehen, wie sich Schäfer durch die Rückkehr in seine alte Heimat verändert. Er zweifelt an seinem Genie und scheint sich mehr mit dem Ausweichen und “Nicht-Aufwärmen” alter Geschichten zu beschäftigen, als mit den Fällen an sich. Die Ermittlung lässt er schon mal gern am Polizeiposten, er selbst gibt sich dann mit viel zu ausschweifenden Tatortbesichtigungen oder Vernehmungen im Wirtshaus ab, wo man nach einem guten Vogelbeerschnaps anscheinend alle Informationen kriegt. Wenn man sich nur am nächsten Tag noch erinnern könnte. Gerade diese Ecken und Kanten machen Schäfer zu einer sehr greifbaren Person. Die Entscheidungen, die von den Kollegen durchaus angezweifelt werden, erschienen zumindest mir total schlüssig und nachvollziehbar. Allerdings wohl eher, weil ich als Mensch so gehandelt hätte, und nicht als Polizeimajor und Ermittlungsleiter.

Die Geschichte bzw. der Fall selbst erinnert in Sachen Skurrilität dann doch etwas an die frühen Simon Brenner Krimis, auch wenn der schräg-eigenwillige Schreibstil von Wolf Haas hier natürlich gänzlich fehlt. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass Haderers Schreibe flach wäre, ganz und gar nicht. Gerade ein paar bewusst eingesetzte Stilmittel, wie die indirekte Rede für schnellere und alltägliche Handlungsabläufe sowie die zum Brüllen komischen Telefongespräche, sind mir so in dieser Art noch nie untergekommen, und sozusagen das i-Tüpfelchen für die skurrile Krimigeschichte.

Dennoch, all jenen, die nie mit Haas warm geworden sind und schräge Krimis sowie eine eher konventionellere Sprache bevorzugen, möchte ich “Schäfers Qualen” auf jeden Fall ans Herz legen. Mein bisheriges Krimi-Highlight und, ja, tatsächlich, meine liebste Neuentdeckung. Ich freu mich nach dem gelungenen Debut auf jeden Fall auf weitere Geschichten!

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Ein Kommentar zu “Rezension: Georg Haderer – Schäfers Qualen”

  1. dieter reitz

    na ja ich bin auch auf den klappentext hereingefallen,da ich sowohl auf arne dahl wie auch wolf haas und heinrich steinfest stehe. mir war die düsternis und die brutalität der skandinavischen krimis zuviel und mir gefiel das schräge und auch menschliche der österreicher…aber: spannend wie dahl ,schräg wie haas fand ich den krimi nicht. die sprache ähnelt einem staubtrockenen protokollstil bzw dem drehbuchtext für hörgeschädigte zu einem tatort. ich kann zu wenig österreichisch um beurteilen zu können ob formulierungen wie “um ein fahrrad muss ich mir schauen…” seite 23. mir fielen noch einge ähnliche stellen auf aber ich erspare mir die mühe sie zu suchen.kurz und klein :georg haderer nebst lektoren müssen sich meines erachtend noch sehr steigern um den anprüchen nach originalität, schrägheit usw gerecht zu werden…

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