Wenn man als Lesebegeisterter kurz davor steht, sich genremäßig zu weit aus dem Fenster zu lehnen, ist es oft besser man macht stattdessen einen einfachen Schritt vor die eigene Haustür: Der Verein der Deutschsprachigen Liebesroman Autorinnen hat nämlich ihr jährliches Event samt Hauptversammlung und großer Gala zum ersten Mal in Österreich ausgetragen, noch dazu in meiner Wahlheimat Linz. Und selbst wenn man davon nichts gewusst hätte und auch sonst nichts mit Liebesromanen am Hut hat, wäre einem auf jeden Fall die hohe Frequenz an unterschiedlichen, deutschen Dialekten in der Fußgängerzone aufgefallen. Die eigenwilligen Unterhaltungen im Buchladen (”Ah, da haben sie mein Buch hingestellt”) wären auch nicht spurlos an einem vorübergegangen und ich behaupte sogar, dass in den letzten drei Tagen über dem abwechselnd blauen bzw. grauen Himmel immer ein kleiner, rosaroter Schimmer hing.
Doch die DeLiA kann es auch weit weniger subtil. Die Organisatorin Ingeborg Rauchberger (die als Sophie Berg bzw. Sophia Farago veröffentlicht) hatte ein sehr beeindruckendes Programm auf die Beine gestellt. Den Startschuss in die Linzer Liebesromantage gab ein groß angelegtes Lesungsevent, bei dem an zehn verschiedenen Orten die DeLiA Mitglieder ihre aktuellen Bücher zum Besten gaben. Als absolutes Highlight gilt hier die Lesung von Kerstin Gier im Linzer Varietétheater Chamäleon. Das erste Mal auf einer Theaterbühne hatte ihre Show mehr Standup-Comedian Charakter und vereinte pfiffige Anekdoten mit improvisiertem Witz. Das Publikum war sich einig: Es gibt wohl keine Möglichkeit, Kerstin Gier nicht zu mögen.
Ein Wiedersehen mit Kerstin gab’s am nächsten Tag, die zusammen mit dem Ehepaar Iny und Elmar Lorentz sowie den DeLiA Gründerinnen Rebecca Michéle und eben Ingeborg Rauchberger der Presse Rede und Antwort standen. Hier wurde vor allem deutlich, welchen engen Zusammenhang die Mitglieder im Verein haben. Man kennt sich. Man mag sich. Man unterhält sich gern. Man fühlt sich richtig wohl in der Gesellschaft der anderen. Und man plaudert auch schon mal gern aus dem Nähkästchen. Und man bleibt bescheiden. Die 6,7 Millionen verkaufter Exemplare, mit denen sich Iny und Elmar Lorentz rühmen könnten, werden als Nebensächlichkeit behandelt. Viel spannender ist hingegen zu sehen wie die Verfilmung des Bestsellers “Die Wanderhure” Form annimmt, oder wie man mit einem Kniff im kommenden, fünften Teil der Saga sich die Lust an der Thematik erhält. Ein ebenso herzliches wie schrulliges Ehepaar, dem man die jahrelange Zusammenarbeit positiv anmerkt:
Zweifelloser Höhepunkt der gesamten Veranstaltung war der glanzvolle Galaabend im Veranstaltungscenter der Linzer VKB-Bank. Hier wurde neben einigen Programmpunkten auch die Auszeichnung für den besten Liebesroman 2010 verliehen. Gewonnen hat den mit 1000 Euro dotierten Preis Lena Falkenhagen, die mit ihrer “Lichtermagd” vor allem durch Sprachgewalt und einem beeindruckenden, mittelalterlichen Gesellschaftspanorama beeindrucken konnte.
Lena Falkenhagen war auch — sichtlich frisch und gut gelaunt — am darauffolgenden Tag mit ihren Kolleginnen bei den zahlreichen Workshops anwesend, die das Linzer Liebeswochenende ausklingen ließen.
Zurück bleibt die Erinnerung an ein paar wunderschöne Tage, an interessante Gespräche mit interessanten Menschen und dem positiven Gefühl, dass ein Blick über den Tellerrand ganz und gar nicht schmerzt, wenn man derart charmant über selbigen geschubst wird.